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4.1 Nürnberg. Bilder einer Stadt
Sie befinden sich nun im obersten Stockwerk des Hauses. Hier erhalten Sie einen vielfältigen Überblick über die Geschichte der Stadt Nürnberg.
Erste Spuren einer Besiedlung im heutigen Nürnberger Stadtgebiet gibt es bereits aus der Bronzezeit, circa 1300 Jahre vor der Zeitenwende. Das erste schriftliche Zeugnis stammt jedoch aus dem Jahr 1050 unserer Zeitrechnung. In einer Urkunde des Kaisers Heinrich III. Wird zum ersten Mal der Ort Nürnberg erwähnt. Nur 200 Jahre später erklärte Kaiser Friedrich II. die Stadt zur Reichsstadt. Nürnberg war fortan nur dem Kaiser unterstellt. Mit der sogenannten Goldenen Bulle wurde die Stadt im 14. Jahrhundert ein Zentralort des mittelalterlichen Reichs. Kaiser Karl IV. Legte Nürnberg als Ort des ersten Reichstags eines neu gewählten Königs fest. In der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit erlebten die Bewohnerinnen und Bewohner eine Blütezeit. Die Stadt wurde zu einer der größten und reichsten im Heiligen Römischen Reich. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor sie ihre vormalige Bedeutung. 1806 endete Nürnbergs Zeit als Reichsstadt. Stattdessen wurde sie Teil des neu gegründeten Königreichs Bayern.
Sie blicken auf eine Replik des vielleicht bekanntesten Schriftstücks der Nürnberger Geschichte. Hier wurde zum ersten Mal der Ort „Norenberc“ erwähnt. Norenberc ist der alte Name für Nürnberg. Die Urkunde wurde im Jahr 1050 ausgestellt.
Ähnlich wie heute wurde im Mittelalter durch Urkunden Recht festgehalten. Die sogenannte Sigena-Urkunde besiegelte die Freilassung einer Hörigen namens Sigena. Als Hörige bezeichnete man im Mittelalter Bauern, die unfrei waren. Sigena gehörte zu Richolf, aus dessen Knechtschaft sie entlassen wurde. Die Freilassung erfolgte durch ein Ritual: den Münzschlag. Sigena wurde symbolisch eine Münze aus der Hand geschlagen. Damit galt sie als frei. Die Lossprechung geschah durch Kaiser Heinrich III. Er hielt zu dieser Zeit einen Hoftag in Nürnberg ab. Wer genau Sigena und Richolf waren, ist bis heute unbekannt. Auch warum gerade der Kaiser ihr die Freiheit geschenkt hat, wissen wir heute nicht.
Dieses Stadtmodell zeigt Nürnberg um 1600. Es wurde vom Schreinermeister und Architekten Hans Wilhelm Beheim gefertigt. Er entwarf zum Beispiel eine Kassettendecke und einen imposanten Holzleuchter für das Nürnberger Rathaus.
Vermutlich ist das Stadtmodell zwischen 1613 und 1616 entstanden. Warum es gefertigt wurde, ist bisher unbekannt. Ein genauer Blick auf das Modell kann Hinweise liefern. Besonders deutlich tritt die Stadtmauer mit dem angrenzenden Zwinger hervor. Der Zwinger ist die Fläche zwischen der äußeren und der inneren Stadtmauer. Oben fallen die Bastionen rund um die Kaiserburg ins Auge. Das Modell könnte also für eine Umplanung der Stadtmauer gedient haben. Anhand eines plastischen Modells konnten Strategen leichter überblicken, wie und wo die Stadt für feindliche Attacken anfällig war.

Zur gleichen Zeit wie das Modell entstanden Karten der Stadt und ihrer Verteidigungsanlagen. Auch Pläne zum Ausbau der Stadtverteidigung über die eigentliche Stadtmauer hinaus wurden Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelt. Mit Hilfe von Wällen und Gräben wollte man zudem die Vororte außerhalb der Stadtmauer besser schützen.
Vertiefung: Festungsbau
Mit dem Ende des Mittelalters veränderten sich die Kriegswaffen. Es wurden vermehrt große Geschütze und Feuerwaffen gebraucht. Daher war eine neue Verteidigungsstrategie notwendig. Bastionen, die aus der eigentlichen Stadtmauer hervorspringen, lösten die klassischen Stadtmauertürme des Mittelalters ab. Auf dem Modell sind die neuen Bastionen rund um die Kaiserburg zu sehen. Die restliche Stadtmauer wird durch die auffälligen Stadtmauertürme unterbrochen.
Doch waren Stadtmodelle nicht ungefährlich: Feinde und Spione konnten Modelle sehr viel leichter lesen als gezeichnete Karten. Von den Machern von Modellen und Karten verlangte der Nürnberger Stadtrat deshalb Stillschweigen. Nur mit Wissen des Rats durften diese produziert werden. Große Baustellen an den Verteidigungsanlagen wurden verhüllt, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen.
Das Stadtmodell zeigt die Stadt Nürnberg im Jahr 1939. Knapp 2.600 Gebäude sind hier zu sehen. Vier Holzschnitzer arbeiteten vier Jahre daran.
Willy Liebel gab das Modell 1935 in Auftrag. Er war von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister der Stadt und gehörte der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an. Während der NS-Zeit wurde die Geschichte der ehemaligen Reichsstadt in die NS-Ideologie eingebunden. Die Nationalsozialisten bezeichneten Nürnberg als die „deutscheste aller deutschen Städte“. Als wichtige Reichsstadt der Kaiser des Mittelalters wurde Nürnberg zur „Führerstadt“ unter Adolf Hitler. Deswegen sollte das mittelalterliche Stadtbild wiederhergestellt werden. Moderne Bauten, Reklamen und Schornsteine wurden in der Altstadt entfernt. Auch die Synagoge am Hans-Sachs-Platz wurde im Zuge der ideologischen Umgestaltung bereits im August 1938 abgerissen. Heute füllt eine Nachbildung aus Edelstahl die Leerstelle im hier ausgestellten Modell.
Bei der Vorstellung des Stadtmodells sagte Willy Liebel, das Modell solle als „zeitgenössisches Denkmal“ gelten und „noch Jahrhunderte später bewundert werden“.
Zeitgleich mit der Umgestaltung der Altstadt entstand das Reichsparteitagsgelände, das auf dem Modell nicht zu sehen ist. Auf einem Areal im Südosten Nürnbergs planten die Nationalsozialisten unter Regie des Architekten Albert Speer ein Aufmarschgelände mit riesigen Monumentalbauten. Fertiggestellt wurde es nie. Dennoch sind noch heute die unvollendete Kongresshalle und die Zeppelintribüne bedeutende Zeugen nationalsozialistischer Propaganda.
Vertiefung: Die sogenannte Altstadtsanierung
Mit der sogenannten Altstadtsanierung der Nationalsozialisten sollte das mittelalterliche Stadtbild wiederhergestellt werden. Entfernt wurden moderne Bauelemente, die dem ideologisch geprägten Wunsch eines scheinbar mittelalterlichen Stadtbildes widersprachen. Über 400 Gebäude wurden verändert. Das Modell zeigt das Nürnberg der 1930er Jahre, das dem nationalsozialistischen Ideal entsprach, und nicht die originale mittelalterliche Stadt.
Auf dem Stadtmodell ist der Hauptmarkt als große Fläche im Herzen der Altstadt gut zu erkennen. Vom Hauptmarkt wurde im Juni 1934 der kunstvolle Neptunbrunnen, eine Stiftung des jüdischen Mäzens Ludwig von Gerngros, entfernt. Bereits ein Jahr zuvor war aufgrund von Beschwerden über den jüdischen Förderer die Stiftertafel heimlich beseitigt worden.

Nach dreijähriger Einlagerung wurde der Neptunbrunnen am Marienplatz direkt vor dem Sitz der NSDAP-Gauleitung aufgestellt. Durch die Entfernung des Brunnens am Hauptmarkt schuf man eine große Aufmarschfläche für uniformierte Nationalsozialisten. Das mittelalterliche Stadtbild wurde so zu einer Kulisse für Inszenierungen des Hitler-Deutschlands. Der Hauptmarkt hieß in der NS-Zeit Adolf-Hitler-Platz.
Nach dem 2. Weltkrieg lag die Stadt Nürnberg in Trümmern. Die Luftangriffe der Alliierten zerstörten nahezu die gesamte Altstadt. Über 6.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger verloren ihr Leben. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung wurde obdachlos. Auch das Rückgebäude und der Seitentrakt des Fembo-Hauses überstanden den Krieg nicht ohne Schäden.
Der Wiederaufbau begann mit der Beseitigung der großen Schuttmengen. Doch galt es auch, die Stadt wieder zu beleben. Kurz nach dem Ende des Kriegs erklang in der Oper wieder Musik. Ab 1947 gab es bereits wieder buntes Volkfestreiben. Der Christkindlesmarkt startete ein Jahr später.
Der Unternehmer Theo Schöller belebte das Theater- und Vereinsleben mit dem Bau der Buchersäle wieder. Im Nachkriegsdeutschland erlebte die Speiseeis-Firma Schöller ihren großen Durchbruch. Das Schöller-Logo war überall präsent. Es prangte an Sonnenschirmen und Tiefkühltruhen in Läden und Kiosken. Theo Schöller steht als Unternehmer beispielhaft für den schnellen Wiederaufbau und den wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt.
Die heutige Theo und Friedl Schöller-Stiftung hat einen erheblichen Beitrag zur Neugestaltung des Stadtmuseums geleistet und diese ermöglicht.
Wenn Sie sich hier umgesehen haben, dann begeben Sie sich bitte nach unten in den dritten Stock.
Dort angekommen, gehen Sie zunächst geradeaus durch den ersten Raum, der sich dem Thema Stadt des (Kunst)Handwerks widmet. Im Raum dahinter erfahren Sie mehr zur Geschichte der Reichsstadt Nürnberg.
STADTMUSEUM IM FEMBO-HAUS
MEDIENGUIDE