Auf dem Gemälde sehen Sie eine mehr als 400 Jahre alte Darstellung des heutigen Hauptmarkts. Heute im Stadtbild immer noch präsent sind die Frauenkirche und der Schöne Brunnen.
Die Entstehung dieses zentralen Marktplatzes geht auf ein Pogrom an den Nürnberger Jüdinnen und Juden zurück. 1349 erlaubte Kaiser Karl IV. der Stadt, das Judenviertel abzureißen und dort einen Markt zu errichten. Fast 600 jüdische Frauen, Männer und Kinder wurden von einer wütenden Horde ermordet.
Auf dem Hauptmarkt wurden verschiedene Waren gehandelt. Neben Gemüse boten Händler auch allerlei andere landwirtschaftliche Produkte an. Gut erkennbar im Bild sind Getreidebündel und in der Bude links unten wurde geräucherter Fisch verkauft.
Die in schwarz gekleideten Männer am linken Bildrand sind Großkaufleute. Auf dem sogenannten Herrenmarkt wurden Finanz- und Geldgeschäfte erledigt. Hier entstand die Nürnberger Börse.
Die nächste Station zeigt ein Bild von Bartholomäus Viatis, dem Gründer des Banco Publico.
Bartholomäus Viatis wurde 1538 in Venedig geboren, ließ sich in Nürnberg nieder und erwarb das Bürgerrecht. Viatis war Zeit seines Lebens Händler. Er kaufte Waren an einem Ort und verkaufte sie an anderen Orten weiter. Zusammen mit seinem Schwiegersohn Martin Peller gründete Viatis ein großes und einflussreiches Handelshaus.
Viatis und Peller gelten als Gründer des Banco Publico. Der Banco Publico war eine Bank, die bargeldloses Zahlen ermöglichte. Im Zeitalter des Münzgelds waren umfangreiche Transaktionen mit einem hohen Risiko verbunden. Silber und Gold als Zahlungsmittel mussten in Kutschen quer durch das Land transportiert werden. Um dem zu entgehen, konnte man sich an der Börse sogenannte Wechsel ausstellen lassen. Sie verbrieften ein Kaufgeschäft. Wechsel konnten bei anderen Banken gegen Bargeld eingetauscht werden.
Die Reichsstadt Nürnberg war ein wichtiger Ort für Finanzgeschäfte. Doch war sie auch bekannt für ihren Handel mit Textilien und Metallerzeugnissen. Damit die gehandelten Produkte den Qualitätsansprüchen genügten, wurde eine sogenannte Schau eingerichtet.
Bei der Gewürz- und Safranschau wurde vor allem auf die Qualität der Waren geachtet. Seit dem Mittelalter gab es diese Art der Qualitätskontrolle. Die Gewürz- und Safranschau fand montags bis samstags von 9 bis 11 Uhr in der „Unteren Waage“ in der Nähe des heutigen Hauptmarkts statt. Anhand des Gemäldes können sie die Gewürz- und Safranschau von links nach rechts nachvollziehen. Händler brachten ihre Waren zur Schau. Sogenannte Unterkäufel begutachteten die Ware, wogen sie ab und verzollten sie. Wenn die Gewürze und der Safran die Schau durchlaufen hatten, versah der Zeichenmeister die Waren mit dem städtischen Wappen. Jetzt durften die Waren in Nürnberg verkauft werden.
Vertiefung: Gewürze und Nürnberg
Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit waren Pfeffer, Ingwer, Gewürznelken, Zimt, Muskat und Kardamom neben Salz und Safran beliebte Gewürze. Sie wurden unter anderem aus dem Orient, Indien und Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, importiert. Nürnberg spielte eine bedeutende Rolle im Gewürzhandel. Die Stadt verfügte über ein dichtes Handelsnetz mit vielen Zollfreiheiten. Besonders wichtig waren die Verbindungen nach Italien. Italienische Seestädte wie Venedig und Genua waren die Hauptumschlagplätze für Gewürze. Später wurde Antwerpen als Handelsort wichtig, da hierüber die Seewege in die „Neue Welt“, also nach Amerika, verliefen.
Seit dem Mittelalter kauften und verkauften die großen Nürnberger Handelshäuser Gewürze. Wegen dieses florierenden Geschäfts konnte eine besondere Nürnberger Spezialität entstehen: Der Lebkuchen. Er wird seit dem Mittelalter in Nürnberg gebacken. Ein wichtiges Ereignis für die Geschichte der Nürnberger Lebkuchen war der Reichstag von 1486.

Damals hat Kaiser Friedrich III. 4.000 Kindern Lebkuchen mit seinem Bild darauf geschenkt, die sogenannten Kaiserlein. Zur Erinnerung wurden von diesem Zeitpunkt an jedes Jahr bis ins 18. Jahrhundert hinein solche Kaiserlein gebacken. Diese Sorte gibt es bis heute.
Im nächsten Raum erfahren Sie mehr über bedeutende Produkte aus Nürnberg. So war Nürnberg seit der Frühen Neuzeit u. a. berühmt für die hier hergestellten Metallerzeugnisse.
In der Renaissance entstand mit den großen Fürsten- und Herrscherhöfen auch das Gesandtenwesen. Die Diplomatie und der Austausch untereinander wurden wichtiger. Geschenke und Gegengeschenke waren ein bedeutender Bestandteil der Diplomatie. Sie sollten politische Bündnisse festigen, Loyalität und Respekt unterstreichen und der Repräsentation dienen. Kunstgegenstände waren besonders als Gaben geeignet. Ihnen wurde eine hohe Bedeutung zugesprochen.
Der Nürnberger Rat überreichte besonders gerne Goldschmiedearbeiten „Made in Nuremberg“ als Geschenke für den hohen Besuch. Im Auftrag des Rats stellten die Goldschmiede Pokale, Becher oder Humpen her. Auch auffallend aufwendige Glasarbeiten wurden verschenkt. Die Stadt zeigte damit, dass sie sich diese teuren Geschenke leisten konnte und, dass die Nürnberger Handwerker ausgesprochen kunstfertig waren.
STADTMUSEUM IM FEMBO-HAUS
MEDIENGUIDE